Tanz mit dem Schleier

Man muß dem Vorurteil begegnen, der Schleiertanz stelle eine zweckbestimmte stripteasehafte Entblößungszeremonie dar.

In Wirklichkeit besitzt er kulturhistorische Wurzeln und geht auf das soziale Miteinander im alten Orient zurück.

In vielen Teilen des Orients hielt die Frau schon vor der Einführung des Islam ihr Haupt in der Öffentlichkeit bedeckt;

so kannte man schon im alten Persien die Bedeckung des weiblichen Haupthaars. Auch von den Israelitinnen überliefert uns das

alte Testament, dass sie auf jeden Fall während der Gebetszeremonie ihren Kopf zu bedecken hatten; und von den ersten

Christinnen wird uns berichtet, dass vor allem die Frauen der Oberschicht nie unverschleiert aus dem Hause gingen.

Der Gesichts-Schleier war in dieser Zeit (und ist es z.T. noch bis heute) eine Art Abgrenzungsmittel zwischen den Frauen

der Unter- und Oberschicht – sich nämlich bei der Arbeit durch einen Gesichtsschleier behindert; sie bedecken deshalb bis heute

nur ihr Haar. Zur gesetzlichen Regelung ist die Verschleierung erst im Islam geworden, d.h. die totale Verhüllung mit Ausnahme des Gesichtes,

der Hände und Füße.

Aus ihrer unkomplizierten und unkonventionellen Mentalität heraus entdeckten dann die arabischen Frauen,

dass man dasselbe Tuch, das in der Öffentlichkeit der vorschriftsmäßigen Verschleierung diente, zu Hause  zu einem reizvollen Tanz nutzen konnte.

Der Schleier lässt sich zu vielem gebrauchen: Man kann sich hinter ihm verstecken oder andere Leute beobachten, ohne selbst erkannt zu werden.

Möchte man koketterweise gesehen werden, so kann man ihn einen Spalt weit öffnen, zur Seite schieben und kurzzeitig das ganze Antlitz statt nur die Augen sprechen lassen.

Aus dieser geheimnisvollen Dramatik heraus entsteht der Tanz mit dem Schleier – mystisch – erregend – geheimnisvoll.